Freitag, 16. Januar 2015

GARZWEILER // In einem Dorf, das bald keines mehr ist // GARZWEILER - Immerath

Unterwegs in einem Dorf, dass dem Tagebau weichen muss




Vor kurzer Zeit habe ich einen Ort besucht, den ich schon lange Zeit besuchen wollte, wozu ich aber aber vergangenes Jahr nicht gekommen bin, weil dieser Ort echt schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. In den Ferien habe ich endlich mal dazu die Möglichkeit gefunden. Es ist ein Ort, der leer ist. Ein Ort, in dem einst 1200 Menschen gelebt haben. Ein Ort, in dem bald keiner mehr lebt. Ich spreche von dem kleinen Dorf Immerath in Erkelenz. Dieses Dorf ist eines von vielen, das es in etwa zwei bis drei Jahren nicht mehr gibt. Man kann sich kaum vorstellen: 1200 Einwohner müssen das Dorf verlassen, damit das Dorf leer wird und startklar für den Abbruch ist. In fünf bis zehn Jahren wird hier ein riesiges tiefes Loch sein, wo Bagger die Braunkohle im Gebiet Garzweiler gewinnen werden. Dieses Thema ist kein aktuelles Thema, sondern schon lange von Bedeutung. Aber mich hat es schon längere Zeit sehr interessiert. Jetzt ist es mir also gelungen, den Ort mal zu besuchen und ein paar Impressionen und letzte Bilder von diesem Ort zu machen. 

Die Anfahrt nach Immerath


Auf der Busfahrt von Erkelenz nach Immerath - es ist ein Wunder, dass dort ein Bus alle zwei Stunden fährt - hatte ich, als wir durch die neue Siedlung Neu-Immerath gefahren sind ein sehr merkwürdigen Eindruck. Man kommt in einen Ort, wo alle Straßen einigermaßen gleich angeordnet wie im alten Ort sind und wo auch alle Straßen wie im alten Ort benannt sind. Bei den Straßennamen ist lediglich "(neu)" angehängt. Ein komisches Gefühl weckt dann nur die Tatsache, dass an der Straße "An St. Lambertus (neu)" keine St.Lambertus-Kirche steht. Weiter geht es durch Felder und kleine Dörfer nach Immerath. Dort angekommen, muss man schon schmunzeln, dass die kleine Haltestelle, an der nur wochentags alle zwei Stunden ein Bus fährt, den Namen "Immerath Busbahnhof" trägt. Diese befindet sich aber auch direkt in der Mitte des Dorfes. 


Ein erster Eindruck von einem stillgelegten Dorf


Erstmal sind wir einfach mal durch die Straßen gegangen und haben einfach mal erlebt, wie es auf einen wirkt, wenn man weiß, dass hier kaum noch jemand lebt. Wir gelangen an eine Volksbank, die bereits seit zwei Jahren geschlossen ist, wie uns ein Schild zeigt. Bankautomaten seien noch benutzbar, aber auch diese waren nicht mehr da. Bisher ist uns auch niemand begegnet. Es herrscht nur Stille. Das einzige, was wir hören, ist der Wind und zwischendurch ein Knarzen eines Fensters. 


Dieses Haus ist noch bewohnt


Wir entdecken eine ehemalige Bar, worin noch eine ein paar Kneipensymbole und eine Kühltruhe zu sehen sind. Nach einigem Laufen sehen wir auch ein stillgelegtes Krankenhaus, an dem viele Fenster mit Holzbretter verdeckt sind. Es steht direkt direkt am Rande des Dorfes, genauso wie auch die stillgelegte Gärtnerei, wo offensichtlich schon lange kein Anbau mehr stattgefunden hat. Ein kaputter Plattenspieler steht in einer Ecke. Und es liegen noch ein paar wenige Erdbeerkartons auf dem Boden, im Nebenraum liegt noch eine Matratze.
Als wir das Gewächshaus wieder verlassen, müssen wir über ein Schild mit der Aufschrift "Dieses Haus ist noch bewohnt" fast schmunzeln.


Ein Spaziergang dahin, wo schon alles weg ist



Anschließend entscheiden wir uns, in den benachbarten Ortsteil Pesch zu gehen, den wir auf Google Maps gesehen haben und lediglich etwa ein Kilometer von Immerath entfernt ist. Aus dem Ort verabschiedet werden wir mit den ersten Abbruchbaggern, die schon die erste Arbeit in Immerath erledigt haben. Nun wollen wir also den Ort Pesch besuchen, doch wir sehen nur ein paar Bäume und weite Felder. Es stehen noch ein paar Bagger dort, aber wir müssen schnell mit Entsetzen und Staunen gleichzeitig feststellen: Die Bagger haben bereits ihr Aufgabe in Pesch erledigt. Pesch gibt es nicht mehr. Ich vermutete bereits vorher, dass da nur noch ein paar Häuser stehen. Aber das hat mich echt geflasht. Ein ganzer Ort ist weg. Uns interessiert es aber mehr und wir gehen, soweit es möglich ist, in Richtung Braunkohletagebau. Eine Schranke sperrt den Bereich großräumig ab. Hinter ihr ernten Bauern Kohl. Es wird wahrscheinlich eine der letzten Ernten hier sein, denn - und das hat mich sehr geflasht - direkt dahinter sehen wir die Bagger, die daran Schuld sind, dass Tausende ihre Heimat verlassen müssen.


Der gruseligste Ort: Der Friedhof in Immerath


Nach diesem Erlebnis gehen wir zurück nach Immerath, kommen an einer ehemaligen Schule vorbei und entdecken später den Friedhof. Es ist ein sehr komisches Gefühl, über diesen zu gehen, wenn man sieht, dass die Gräber frisch mit Erde befüllt sind und daran denkt, dass hier erst vor kurzer Zeit die Toten aus dem Grab geholt worden sind und in den neuen Ort Neu-Immerath umbestattet wurden. Holzschilder am Grab der Pfarrer aus Immerath weisen darauf hin, welcher Pfarrer wohin umbestattet wurde. Am hinteren Ende des kleinen Friedhofs steht die Kapelle. Ein leerer Raum mit Kreuz. Als letztes gehen wir an alten völlig verlassenen Wohnhäuser am Rande des Ortes vorbei und gehen durch die Hinterhöfe, wo wir völlig verkommene Terrassen sowie einen sehr instabilen Schuppen finden. Und ich merke, mein Kamera-Akku ist leer. Es ist an der Zeit, wieder zu gehen. Ein spannender, aufregender, interessanter Tag geht zu Ende. Ich fahre mit dem nächsten Bus weiter und muss bei der Durchfahrt des nächsten Ortes feststellen, dass auch diesen es bald nicht mehr geben wird, denn überall werden Bäume gefällt, die an Wohnhäusern stehen, die völlig verlassen sind. Ein komisches Gefühl.
Den ganzen Tag habe ich fotografiert und ich habe an diesem Tag sehr vieles in diesem Ort erlebt. Und ich bin gespannt auf die Entwicklung des Ortes in den nächsten Monate und Jahren, denn diesen Ort werde ich auf jeden Fall solange es geht wieder besuchen.

Hier seht ihr meine besten Bilder, die ich dort gemacht habe:


Stillgelegte Gasse An Sankt Lambertus in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth

Maschine in Gewächshaus in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth

Alte Kleiderfabrik Rix und Co in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth

Ehemalige Klinik in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth

 Pflanzen am Gewächshaus in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth

Gewächshaus in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth

Blick in das Gewächshaus in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth

Verrostete Konstruktion von Gewächshaus in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth

Hinweisschild von Bewohnern in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth

Struktur auf einem Plakat in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth

Bestattung Kirche auf dem Friedhof  in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth

Altes Wohnzimmer mit Kamin  in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth

Kirche Abriss in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth

Gewächshaus mit alten Pflanzen  in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth

Leergeräumtes Zimmer eines Hauses in  in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth

Altes Accessoire in Immerath Garzweiler Reportagefotografie Andreas Blauth




Besuch mich auf Facebook // Check out my facebook page http://www.facebook.com/andreasblpictures 


 Schau dir hier Portraits von Paoline an // Watch portraits from Paoline here: http://andreas-blauth.blogspot.de/2015/09/paoline-portraits.html 


 Kontakt // contact andreasblauth.mail@gmail.com © Andreas Blauth | 2015


Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Danke für deinen Kommentar!